auch einige Erfahrungen beisteuern. Ich hatte letztes Jahr das “Vergnügen”, an einer privaten IT-Hochschule, welche u.A. auch jedem Studenten einen Laptop zur Verfügung stellt, der auch in vielen Lehrveranstaltungen genutzt wurde, mein Studium zu beginnen. Soviel vorweg: ich bin nach dem ersten Semester auf eine normale Uni gewechselt, und das lag bestimmt nicht an den Noten (jedenfalls nicht daran, dass diese zu schlecht gewesen wären). Jeder Student erhielt also (mit einigen Wochen Verzögerung nach
Semesterbeginn, wegen Beschaffungsschwierigkeiten) ein Laptop (Lifebook C1020 von Fujitsu-Siemens) zur entgeltfreien Miete, welches laut Vertrag natürlich ausschließlich für Lehrzwecke zu verwenden war. Internetzugang gab’s auch (dazu waren die meisten Räume mit Netzdosen ausgestattet, das WLAN war noch in Vorbereitung). Folgende Situation wurde danach in so gut wie allen Veranstaltungen Usus: man kommt in den Raum, packt das Gerät aus und stöpselt als allererstes das Netzwerkkabel ein (nicht in allen Räumen waren ausreichend davon vorhanden, vor allem in den Hörsälen). Alsbald ging dann das fröhliche Surfen, ICQen, Filmetauschen und teilweise sogar Netzwerkspielen los (auch wenn natürlich Spiele - noch dazu raubkopierte - eigentlich verboten waren) und der Dozent redete vor eine Wand. Selbst wenn man versucht hat, der Versuchung zu wiederstehen, den Rechner für unterrichtsfremde Zwecke zu benutzen (bzw. überhaupt zu benutzen), wurde einem das Verstehen des Dozenten mindestens durch die lärmenden Lüfter der spielenden Kommilitonen erschwert. Die Bilanz zum Ende des ersten Semesters war dementsprechend: bei den
Probeklausuren, die in einigen Fächern geschrieben wurden, offenbarten sich enorme Wissenslücken bei den meisten Kommilitonen, insbesondere natürlich bei den fleißigsten Highscore-Jägern. Beispielsweise gab es in der Probeklausur zur Technischen Informatik eine (nicht gerade sehr anspruchsvolle) Assembler-Aufgabe (MIPS-Assembler, zuvor mehrere Übungsstunden lang durchgekaut), die 90% der Anwesenden nicht einmal ansatzweise lösen konnten. Statt sich einzugestehen, selbst daran schuld zu sein, machten einige dieser Kommilitonen dann den Übungsleiter, einen Doktoranden, für die Misere verantwortlich und beschwerten sich bitterlichst beim Prof (welcher auch sein Doktorvater war) über diesen. Soviel ich gehört hab, hat dieser daraufhin auch ein recht unangenehmes Gespräch mit seinem Prof führen dürfen, wobei man ihm vermutlich viel vorwerfen kann, aber nicht, dass er den zum Lösen der angesprochenen Aufgabe erforderlichen Stoff nicht ausreichend behandelt hatte. Dieses Ereignis war für mich nur einer der Gründe, dort abzubrechen, die Mentalität der Kommilitonen ebenfalls. Immerhin haben die Dozenten daraus gelernt und wollten im nächsten Semester größtenteils die Laptops in ihren Vorlesungen verbieten. Soviel zum Thema Laptops sind lernförderlich…